Devis Don Wadin

Ein Indonesier auf christlicher Mission in Deutschland

Devis Don Wadin

Devis Don Wadin

Ein junger Mann steht am Altar. Er breitet seine Arme aus und predigt mit lauter Stimme und Nachdruck vor einer Gemeinde in Indonesien. Ein Traum. Erstmal. Was als Traum seines Vaters vor 40 Jahren begann, ist heute Realität.

Mission: Missionar!

Schwarze lockige Haare bis zu den Schultern, braune Augen strahlen hinter einer Brille hervor, ein lockerer Pulli und ein verschmitztes Lächeln -  Pater Devis Don Wadin sieht nicht unbedingt so aus, wie man sich einen Priester vorstellt. Dass er einer ist, beweist er aber jeden Sonntag, wenn er in seiner Pfarrei in der Nähe von Ravensburg mit viel Herzblut am Altar steht. Für den 39-jährigen Indonesier ist gute Laune beim Gottesdienst normal, denn Priester- Sein ist für ihn kein Job, sondern eine Berufung. „Ich wollte schon immer Priester werden“, erzählt Pater Devis „ Damals hatten wir einen deutschen Pater, einen Redemptoristen, in der Gemeinde. Er war riesengroß und hatte riesen Füße. Als Kind dachte ich, wenn ich mal Priester werde, werde ich auch so groß.“

Mit seinen 1,61 hat er die Größe seines Vorbildes zwar noch nicht erreicht, aber Priester ist er trotzdem geworden und in einen Orden ist er auch eingetreten. „Meine Eltern hätten mich wohl lieber als Diözesanpriester auf der Insel behalten, aber ich wollte raus in die Welt. Die Steyler Missionare waren da genau das Richtige. Außerdem kannte ich sie auch schon, weil ich auf einer ordenseigenen Schule Abitur gemacht habe.“  Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie, erst in Indonesien, später an der Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin, lässt er sich 1999 zum Diakon weihen.

Nur ein Jahr später feiert er seine Primiz, seine erste selbst gehaltene Messe, in Indonesien. „Der Ortsbischof auf meiner Heimatinsel Sumba wollte, dass ich meine Priesterweihe in meiner Heimat empfange. Schließlich bin ich der erste „eigene“ Steyler Pater auf der Insel“, lacht Don Wadin. „Ich hatte auch die Möglichkeit, die Primiz im Dorf meines Vaters auf der Insel Lembata zu feiern. Bei der Feier waren viele Mitglieder meines Stammes da. Das Stammesdenken ist in Indonesien nämlich noch sehr verbreitet. Ein Stammesmitglied hat 1956 einen holländischen Steyler ermordet. Meinen Eintritt in den Orden und die Weihe hat mein Stamm dann als Wiedergutmachung empfunden und mich vom Stamm offiziell in die große Familie der Steyler Missionare übergeben. Das war ein ergreifendes Gefühl und ist eine unvergessliche Erinnerung!“

Mission: Deutschland!

„Nach meiner Priesterweihe wollte ich eigentlich nicht nach Deutschland zurück“, sagt Pater Devis. „Während meines Studiums in Sankt Augustin hatte ich nur wenig Kontakt zu Deutschen und wenn, dann nur behaftet mit negativen Aussagen über die katholische Kirche, wie, dass nur noch alte Menschen in die Kirche gehen und diese Religion hier sowieso bald ausstirbt.“ Devis Don Wadin fühlte sich nicht wohl und wollte eigentlich nach Lateinamerika oder Indonesien, weil da das Christentum noch spürbar gelebt wird. Entschieden hat er sich dann aber für den schwierigeren Weg: Mission in Deutschland.

„Der Anfang war schwer. In den Gemeinden, in die ich kam, hatte ich leider viel zu wenig Kontakt zu den Gemeindemitgliedern. Trotzdem war es eine wichtige Zeit. Ich habe gesehen, dass Deutschland wirklich ein Missionsland ist, die Leute hier mit Religion nichts mehr anfangen können und ich hier gebraucht werde. In den drei Jahren habe ich dann auch für mich entschieden, hier zu bleiben“, erzählt Don Wadin.

Mission: Jugendarbeit!

Er kam in eine andere Pfarrei und konnte endlich dem pastoralen Bereich nachgehen, den er schon lange angestrebt hat. „Ich wollte immer gerne Jugendarbeit leisten. Ich hatte zwar schon Religionsunterricht in einer Grundschule gehalten, aber das richtige Seelsorgerische und den Glauben den jungen Menschen zu vermitteln, das ist schon was anderes.“

In Blönried als Schulseelsorger am Studienkolleg St. Johann ist er nun seit 2004 und geht in seiner Arbeit richtig auf. „Auch wenn mich Themen wie Suizidgefährdung, Missbrauchsfälle und Alkoholprobleme manchmal an meine persönlichen Grenzen bringen, ist der gute Kontakt zu den Jugendlichen und auch das Gefühl, ihnen in schwierigen Situationen helfen zu können, etwas sehr Erfüllendes.“

Die Mission ist ihm, gerade auch verbunden mit der Jugendarbeit, nach wie vor wichtig: „Die religiöse Erziehung wird in vielen Familien sehr vernachlässigt und der Umgang mit heiligen Räumen wie beispielsweise Kirchen ist wenig respektvoll. Gleichzeitig sehnen sich viele Jugendliche wieder nach Stille, Ruhe, Gesprächen und einer Religion als Rückzugsort.“

Pater Devis Don Wadin sucht dann das Gespräch: „Ich rede mit ihnen über Fußball, Filme, Musikgruppen, über persönliche Probleme, über Gott und die Welt. In diesen Gesprächen kommt Gott durch den Menschen zum Vorschein. Ich kann zwar nicht dafür garantieren, dass Jugendliche durch meine Arbeit zu einer Ordensberufung finden, aber ich erfülle meinen Anteil, den Rest macht Gott; Und vielleicht treffe ich einen der Schüler ja mal in Indonesien in einer Kirche wieder.“

Severina Bartonitschek