Fr. John Alapatt

Der Pater in den Slums von Rourkela

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„Gemeinsam mit den Armen bauen wir einen neuen Himmel und eine neue Erde.”

Indien. Wer im Slum lebt, ist auf der untersten Sprosse angekommen. Die meisten waren einmal Bauern, haben das eigene Land verloren, hofften in der Stadt auf einen Job, doch sie stürzten ab. Im Slum regieren Drogenbosse und Banden. Tuberkulose, Aids und Hunger bestimmen das Dasein.

John Alapatt ist inzwischen einer von ihnen. 70 Jahre alt. Missionar. Seit über 30 Jahren kämpft er an der Seite der Slumbewohner im indischen Rourkela. Sein Ziel: eine bessere Welt für die Armen.

Da die Regierung die Armen ausgrenzt, „lassen wir Christen sie spüren, dass sie Kinder Gottes sind". Soviel Achtung ihrer Würde setzt ungeahnte Kräfte frei: Sie lernen Lesen und Schreiben, über 1.000 Familien haben sich mit einem Kredit selbständig gemacht, Kindergärten und Schulen entstehen, Aidshilfen, Frauengruppen, und sogar ein Krankenhaus... Einige Frauen und Männer entdecken ihre Talente als Manager und Redner. Sie richten Appelle an die Regierung, organisieren Demonstrationen, sie lesen den Mächtigen die Leviten.

Pater John ist stolz auf sein Team: „Zum Beispiel kämpfen wir um sauberes Wasser. - Wer mit guten Argumenten laut schreit, wird irgendwann gehört." Bei dieser Verwirklichung der Frohen Botschaft hat Pater John „ungezählte Krisen bewältigt", aber immer habe er gespürt, „Gottes Finger ist da, um mich zu führen und zu stützen."

Pater John, 70, macht sich Gedanken, wer sein Lebenswerk einmal fortführen kann. „Ich bete zu Gott, dass er einen guten Nachfolger schickt." - missio hilft, junge Priester auf ihre Arbeit vorzubereiten.

Heute noch arbeitet Pater John, 70, als Manager in „seinem" Slum-Krankenhaus. „Ich möchte kein Opa im Lehnstuhl sein", sagt der Steyler Missionar, der vor über 30 Jahren seine südindische Heimat verließ, um im „Ruhrgebiet Indiens" den Ärmsten zu helfen.

Pater John gehört zur ersten Generation von Missionaren, die aus den früheren „Missionländern" stammen. - Heutzutage ist die Zahl der weißen Missionare verschwindend gering im Vergleich zu den farbigen Christen, die in Afrika oder Asien ihre Heimat verlassen, um „bis an die Grenzen der Erde" zu ziehen.

© missio Aachen

 

Im Schatten des Stahlwerks

„Rourkela" hat einen guten Klang: Es steht für Wirtschaftskraft in Indien, Stahlproduktion, und für Entwicklungshilfe. Schon in den 50er Jahren wurde das Stahlwerk mit deutscher Hilfe errichtet.

Doch der vermeintliche Fortschritt hat viel Leid gebracht: Zehntausende wurden deportiert, um Land frei zu machen für die Fabrik, Ungezählte starben. Die Umweltverschmutzung zerstört Reisfelder, verpestet die Luft, vergiftet das Grundwasser...

Und Arbeit gibt es fast nur für gut Ausgebildete. So strandeten in Rourkela rund 80.000 Tagelöhner, die in Slums ihr Dasein fristen. Viele überleben, indem sie in Schlackebergen wühlen und mit Magneten nach Eisenresten suchen (Foto oben).

Von der Regierung werden die Armen ignoriert. Rückhalt finden sie in der Selbsthilfeorganisation von Pater John Alapatt.