In der Pfarrei

Pfarrer sein

messe_thull2.jpgBereits in der Jugend verspürte ich als Ministrant den Ruf, Priester zu werden. Das Faszinierende war zum einen das ständige sich Aufhalten in Kirche und Sakristei und ein tiefes Vertraut werden mit vielfältigen Gottesdienstfeiern, also die Nähe zum Heiligen. Zum anderen das hautnahe Erleben seelsorglicher Nähe der Priester zu Menschen und Gemeindegruppen bei Ausflügen, Beerdigungen, Taufen, Hausbesuchen oder schlicht beim Gebet. Die Priester waren präsent, ansprechbar, mitten unter den Menschen und dann wieder allein mit Gott. Das wollte ich auch, und so wurde ich vor 20 Jahren zum Priester geweiht.

Zum Priestersein kam dann das Pfarrersein hinzu: Führen, Leiten und das Management einer oder mehrerer Pfarreien mit 8.000 bis 23.000 Gemeindemitgliedern und entsprechend 70 bis 120 Angestellten sowie an die 700 Ehrenamtliche, die sich in gut 100 Gemeindegruppen engagieren. Etat- und Gebäudeverwaltung, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Chefsein wie auch Planung und Kontrolle pastoraler Prozesse, Seelsorge und Gottesdienstfeier gehören zu den Aufgaben des Pfarrers.

Der Tagesablauf ist sehr vielschichtig: Schulgottesdienst, Beerdigung, Einstellungsgespräch in der Kindertagesstätte, Hausbesuch mit Krankenkommunion, Kirchenvorstandsitzung zur Planung der notwendigen Dachsanierung, Trauergespräch mit der Familie des plötzlich verstorbenen Vaters, Erstkommunionunterricht, Abendmesse und ein theologischer Vortrag am Abend wechseln sich schon mal im Stundentakt ab. Man muss all das zunächst nicht können, sondern zuallererst wollen.

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Einen Einblick in die Tätigkeit des Pfarrers erhält jeder in der Berufseinführungsphase als Kaplan, der einem Pfarrer als Hilfe an die Seite gestellt wird. Fortbildungsangebote wie „Leitung, Kooperation und Kommunikation", „Geistliche Gesprächsführung" oder „Werkwoche für neu ernannte Pfarrer" helfen, an den eigenen Stärken und Schwächen zu arbeiten und tiefer in die unterschiedlichen Aufgabenfelder vorzudringen. Für Pfarrer bietet dann das Erzbistum Köln verpflichtend eine begleitende eineinhalbjährige Zusatzqualifikation „Führen und Leiten" an.

Pfarrersein ist sehr vielschichtig. Daher tragen Lust am Gestalten, Entscheidungsfreude, Verantwortung haben und auch abgeben können, Freude an der Liturgie, anderen Menschen vieles und Gott alles zutrauen dazu bei, gerade als Pfarrer einfach nur Priester zu sein, nahe bei Gott und den Menschen.

Pfarrer Jochen Thull
St. Maximilian Kolbe
Lütticher Str. 34
51149 Köln