Schurken und Liebhaber

Zu den klassischen Motiven, die in Zusammenhang mit Priesterfiguren auftauchen, gehört das Beichtgeheimnis. Alfred Hitchcocks stellt in „Ich beichte (Zum Schweigen verurteilt) (1953)", einen jungen kanadischen Priester (Montgomery Clift) in den Mittelpunkt, der im Beichtstuhl das Mordgeständnis des Küsters hört. Im Krimi- und Thriller-Genre, in dem ein häufiges Motiv ist, dass sich das Böse tarnt, tauchen Priester auch in Schurkenrollen auf. Man denke etwa an den Edgar-Wallace-Film „Die toten Augen von London" (1960), in dem Dieter Borsche als blinder Priester seine Opfer zu den Klängen von Beethovens Fünfter ertränkt, oder an die Opus-Dei-Mitglieder, die in der Verfilmung von Dan Browns Bestseller „The Da Vinci Code: Sakrileg" (2006) eine Funktion übernehmen, die sonst im Thriller Geheimdiensten, Mafia-Organisationen oder anderen Geheimbünden zukommt.

Ein beliebtes Motiv - vorwiegend in melodramatischer Bearbeitung - ist der Zölibatskonflikt. Der Klassiker ist hier sicherlich der Schmachtfetzen „Die Dornenvögel" (4-teilige US-Fernsehserie1983), in der der smarte Priester Ralph de Bricassart (Richard Chamberlain) mit seiner Liebe zur Farmerstochter Meggie ringt, um erst kurz vor seinem Tod zu erfahren, dass er in einer stürmischen Liebesnacht einen Sohn gezeugt hat. Deutsche Fernsehfilme wie „Das Herz des Priesters" (ZDF 2000) mit Walter Sittler oder „Im Namen des Herrn" (ARD 2003) mit Heiner Lauterbach zehren von ähnlichen romantischen Verwicklungen eines Priesters.

Dr. Peter Hasenberg